lehrkraefte:snr:informatik:glf22:python:simulationen:erwartungswerte-mathematisch

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lehrkraefte:snr:informatik:glf22:python:simulationen:erwartungswerte-mathematisch [2023/01/24 10:24] – [Aufgaben] Olaf Schnürerlehrkraefte:snr:informatik:glf22:python:simulationen:erwartungswerte-mathematisch [2023/01/24 14:17] (current) – [Zweite Beobachtung] Olaf Schnürer
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 +~~NOTOC~~
 +
 +====== Wie lange muss man im Durschnitt würfeln, bis zwei Sechser direkt hintereinander kommen? ======
 +
 +Unsere Argumentation beruht auf dem folgenden Diagramm, das wir im Folgenden erklären.
 +
 +{{:lehrkraefte:snr:informatik:glf22:python:simulationen:erwartungswert-66-markov-diagramm.jpg?600|}}
 +
 +Wir unterscheiden drei Zustände (im Diagramm eingerahmt):
 +  * Zustand ''*'': Der letzte Wurf ist keine Sechs. (Dies schliesst den Fall mit ein, dass man gerade anfängt, also noch nicht gewürfelt hat. Dieser Zustand ist also auch der Startzustand.)
 +  * Zustand ''*6'': Der letzte Wurf ist eine Sechs, aber der vorletzte Wurf ist keine Sechs.
 +  * Zustand ''66'': Die beiden letzten Würfe sind Sechsen. Das ist der Endzustand.
 +
 +Während des Würfelns bewegt man sich zwischen diesen Zuständen: 
 +  * Am Anfang ist man im (Start-)Zustand ''*''
 +  * Wenn man im Zustand ''*'' ist und eine Sechs würfelt, kommt man in den Zustand ''*6'' und sonst in den Zustand ''*''. (Dies ist mit den Pfeilen und den per Bleistift an die Pfeile geschriebenen Zahlen angedeutet.)  
 +  * Wenn man im Zustand ''*6'' ist und eine Sechs würfelt, kommt man in den Endzustand ''66'' und sonst in den Zustand ''*''. (Dies ist mit den Pfeilen und den per Bleistift an die Pfeile geschriebenen Zahlen angedeutet.)  
 +
 +Mit Kugelschreiber geschrieben stehen an den Pfeilen die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten, dass man sich entlang dieses Pfeils bewegt. Beispiel: Ist man im Zustand ''*6'', so würfelt man mit Wahrscheinlichkeit $\frac 56$ keine Sechs und landet im Zustand ''*''.
 +
 +Die rot geschriebenen Variablen $E$ und $F$ haben die folgende Bedeutung:
 +  * Die Variable $E$ steht für die Zahl, die wir bestimmen wollen, nämlich die durchschnittliche Anzahl Würfe, um vom Zustand ''*'' (der auch der Startzustand ist) in den Endzustand ''66'' zu kommen.
 +  * Die (Hilfs-)Variable $F$ steht für die die durchschnittliche Anzahl Würfe, um vom Zustand ''*6'' in den Endzustand ''66'' zu kommen.
 +
 +(Ich habe die Variable jeweils unter den Zustand geschrieben, an dem die entsprechende Reise durch das Diagramm beginnt.)
 +
 +Nun gibt es die folgenden zwei Beobachtungen, die zu einem Gleichungssystem führen.
 +
 +==== Erste Beobachtung ====
 +
 +Ist man im Zustand ''*'', so würfelt man sicherlich **einmal** und gelangt
 +  * mit Wahrscheinlichkeit $\frac 16$ in den Zustand ''*6'' (nämlich, wenn man eine Sechs würfelt), von dem aus man noch durchschnittlich $F$ Würfe bis zum Endzustand ''66'' benötigt; 
 +  * mit Wahrscheinlichkeit $\frac 56$ in den Zustand ''*'' (nämlich, wenn man keine Sechs würfelt), von dem aus man noch durchschnittlich $E$ Würfe bis zum Endzustand ''66'' benötigt.
 +Diese Beobachtung zeigt, dass $E$, die durchschnittliche Anzahl Würfe, um vom Zustand ''*'' in den Endzustand ''66'' zu kommen, auch durch den Ausdruck
 +$$\frac 16 (1+F) + \frac 56 (1+E)$$
 +gegeben ist, denn: 
 +  * mit Wahrscheinlichkeit $\frac 16$ muss man durchschnittlich noch $(1+F)$-Mal würfeln, bis man im Endzustand ankommt (die 1 kommt vom fett geschriebenen Wort "einmal" oben);
 +  * mit Wahscheinlichkeit $\frac 56$ muss man durchschnittlich noch $(1+E)$-Mal würfeln, bis man im Endzustand ankommt.
 +Insgesamt muss also die folgende Gleichung gelten:
 +$$E=\frac 16 (1+F) + \frac 56 (1+E)$$
 +
 +==== Zweite Beobachtung ====
 +
 +Ist man im Zustand ''*6'', so würfelt man sicherlich **einmal** und gelangt
 +  * mit Wahrscheinlichkeit $\frac 16$ in den Endzustand ''66'' (nämlich, wenn man eine Sechs würfelt); 
 +  * mit Wahrscheinlichkeit $\frac 56$ in den Zustand ''*'' (nämlich, wenn man keine Sechs würfelt), von dem aus man noch durchschnittlich $E$ Würfe bis zum Endzustand ''66'' benötigt.
 +Ähnlich wie oben liefert diese Beobachtung die Gleichung
 +$$F=\frac 16 (1+0) + \frac 56 (1+E)$$
 +(Die Null ist eigentlich überflüssig, deutet aber das Folgende an: Wenn man im Endzustand ist, braucht man genau (und auch im Durschnitt) 0 Würfe, um in den Endzustand zu kommen.)
 +
 +==== Schlussrechnung ====
 +
 +Diese beiden Beobachtungen liefern zusammen das lineare Gleichungssystem
 +
 +$$E=\frac 16 (1+F) + \frac 56 (1+E)$$
 +$$F=\frac 16 (1+0) + \frac 56 (1+E)$$
 +
 +Das Lösen dieses Gleichungssystems ist dem Leser überlassen. (Multiplizere zuerst beide Gleichungen mit $6$.)
 +
 +<hidden Die Lösung des Gleichungssystems ist>
 +$E=42$ und $F=36$.
 +</hidden>
 +
 +<hidden Also ist die gesuchte Zahl>
 +$42$
 +</hidden>
 +
 +==== Aufgaben ====
 +
 +Falls du testen willst, wie gut du das Obige verstanden hast.
 +
 +<WRAP center round todo>
 +Wie lange muss man im Durschnitt würfeln, bis zuerst eine 6 und direkt danach eine 5 kommt?
 +
 +<hidden Hinweis>
 +Im Diagramm oben muss nur ein Pfeil verändert werden (und die Beschriftung aller Zustände).
 +</hidden>
 +</WRAP>
 +
 +<WRAP center round todo>
 +Wie lange muss man im Durchschnitt würfeln, bis eine 6 erscheint?
 +</WRAP>
 +
 +<WRAP center round todo>
 +Beantworte eine ähnliche, selbstgestellte Frage! Etwa eine mit Münzwürfen.
 +</WRAP>
 +
 +
 +
 +===== Mathematischer Kontext =====
 +
 +<WRAP center round info>
 +Die obigen Erklärungen gehören zum Teilgebiet **Wahrscheinlichkeitstheorie** der Mathematik.
 +
 +Die durchschnittliche Anzahl der Würfe, bis zwei Sechser direkt hintereinander kommen, heisst **Erwartungswert** für dieses Ereignis. Deswegen habe ich oben den Buchstaben "E" verwendet.
 +
 +Allgemein beantwortet ein Erwartungswert die Frage, wie lange man durschnittlich //warten// muss, bis ein bestimmtes Ereignis eintritt.
 + 
 +Das Diagramm, das wir oben verwendet haben, hat mit Markow-Ketten zu tun. 
 +
 +(Wohl deutlich über Schulniveau: https://de.wikipedia.org/wiki/Markow-Kette; das Wetterbeispiel dort ähnelt unserem Beispiel und könnte verständlich sein.)
 +</WRAP>